Karatgewicht
Ein Karat entspricht 0,2 Gramm. Lose Steine wiegen wir auf der Karatwaage; bei gefassten wird über Durchmesser und Höhe gerechnet — eine Näherung, die wir als solche benennen.
Ein Stein wird nicht nach Grösse bezahlt, sondern nach dem Zusammenspiel seiner Eigenschaften. Wir sichten lose Steine ebenso wie Steinbesatz in der Fassung und erklären Ihnen nachvollziehbar, was den Wert trägt — und was nicht.
Werkstatt & Prüfung
Was wir sichten
Lose Steine kommen meist im Steinpapier zu uns — einzeln, als Konvolut aus einer Sammlung oder als Restbestand einer aufgelösten Werkstatt. Sie lassen sich wiegen, messen und von allen Seiten betrachten. Das ist der klare Fall.
Häufiger ist der gefasste Stein. Ring, Collier oder Brosche geben nur einen Teil frei: Die Fassung verdeckt Rondiste und Unterteil, das Metall färbt in die Betrachtung hinein. Wir beurteilen dann im gefassten Zustand und sagen offen, wo die Grenze dieser Beurteilung liegt.
Zum Objekt gehört immer beides — der Stein und das, worin er sitzt. Ein Solitär in abgetragener Schiene wird anders vermarktet als ein Stück, dessen Fassung selbst Wert trägt.
Diamant
Karatgewicht, Schliff, Farbe und Reinheit sind keine Rangliste zum Abarbeiten. Sie bedingen einander — erst ihr Zusammenspiel ergibt eine Einschätzung, die trägt.
Ein Karat entspricht 0,2 Gramm. Lose Steine wiegen wir auf der Karatwaage; bei gefassten wird über Durchmesser und Höhe gerechnet — eine Näherung, die wir als solche benennen.
Proportionen, Symmetrie und Politur entscheiden, wie viel Licht der Stein zurückgibt. Ein schwacher Schliff lässt auch gute Rohqualität stumpf wirken — korrigierbar nur unter Gewichtsverlust.
Beim weissen Diamanten geht es um die Abwesenheit von Farbe. Beurteilt wird gegen Vergleichssteine bei neutralem Licht — nicht im Schaufensterlicht und nicht am Handgelenk.
Massgeblich sind Art, Lage und Sichtbarkeit der Einschlüsse. Nicht ob etwas da ist, entscheidet, sondern wo — mittig unter der Tafel wiegt schwerer als am Rand.
Ein Stein kann viel wiegen und wenig einbringen: matt geschliffen, deutlich getönt, mit Einschlüssen, die schon von blossem Auge stören. Umgekehrt bringt ein kleiner Stein mit sauberem Schliff und ruhiger Reinheit oft mehr, als seine Masse vermuten lässt.
Ein grosser Stein mit schwacher Qualität ist nicht automatisch mehr wert als ein kleiner erstklassiger.
Deshalb nennen wir keinen Wert, bevor wir den Stein gesehen haben. Vorab erklären wir Ihnen, worauf wir schauen werden — damit Sie die spätere Zahl einordnen können, statt sie glauben zu müssen.
Karat ist bei Steinen ein Gewicht, bei Gold ein Feingehalt. „18 Karat" beschreibt die Legierung der Fassung, „1 Karat" das Gewicht des Steins darin — zwei Angaben am selben Ring, die Verschiedenes meinen.
Farbe vor Grösse
Farbsteine
Bei Farbsteinen verschiebt sich die Gewichtung. Hier trägt die Farbe selbst den Wert: Ton, Sättigung und vor allem die Gleichmässigkeit über den ganzen Stein hinweg. Ein Rubin mit satter, offener Farbe steht regelmässig über einem grösseren, der ins Bräunliche oder Blasse kippt.
Die Herkunft wird mitbewertet, weil einzelne Fundgebiete seit jeher einen Ruf haben. Belegen lässt sie sich jedoch nur laborseitig. Wir sagen deshalb, was der Stein zeigt — und wo eine Herkunftsangabe Vermutung bliebe.
Behandlungen sind bei Farbsteinen die Regel, nicht die Ausnahme. Rubine und Saphire werden erhitzt, Smaragde geölt oder mit Harz gefüllt, um feine Risse optisch zu schliessen. Im Handel ist das anerkannt, solange es benannt wird — und es wirkt deutlich auf den Preis.
Nachweis
Ein Zertifikat macht den Stein nicht besser, sondern verkäuflicher: Der Käufer ist nicht mehr auf Vertrauen angewiesen, sondern kann auf ein Papier schauen.
Wo eine gemmologische Laborexpertise vorliegt, verkürzt sich die Verhandlung spürbar. Gewicht, Massverhältnisse, Farb- und Reinheitseinstufung sowie Angaben zu Behandlungen stehen fest; diskutiert wird nur noch der Preis. Ohne Bericht kalkuliert der Markt den Zweifel mit ein — diesen Abschlag trägt der Verkäufer.
Liegt kein Zertifikat vor, ordnen wir den Stein trotzdem ein und sagen Ihnen, ob sich eine Expertise lohnt. Sinnvoll ist sie, wenn der zu erwartende Erlös Aufwand und Wartezeit rechtfertigt: bei grösseren Solitären, bei unbehandelt wirkenden Farbsteinen und immer dann, wenn ein Stein über Vermittlung oder Auktion angeboten werden soll.
Wir bewerten im Handelskontext: Was ist dieser Stein, in diesem Zustand, an diesem Markt heute wert. Eine formale gemmologische Zertifizierung ist etwas anderes — sie erfolgt durch ein Prüfinstitut, das den Stein misst, prüft und einen Bericht ausstellt. Solche Zertifikate stellen wir nicht aus. Wir sagen Ihnen aber, wann sich der Weg dorthin rechnet, und besprechen ihn mit Ihnen.
Laborgezüchtete Diamanten sind heute weit verbreitet. Sie sind chemisch echte Diamanten — aber eben nicht selten, und der Markt bewertet sie entsprechend anders als natürlich gewachsene Steine. Dasselbe gilt für Farbsteine aus Synthese und für die verschiedenen Formen der Nachbehandlung.
Erkannt werden solche Steine. Wenn Sie wissen oder vermuten, dass Ihr Stück synthetisch oder behandelt ist, sprechen Sie es bitte offen an. Es kostet Sie nichts: Wir prüfen ohnehin, und ein zurückgehaltener Hinweis fällt spätestens beim Käufer auf.
Einen Stein aus der Fassung zu nehmen ist ein Eingriff, der sich nicht zurücknehmen lässt. Wir tun das nur, wenn es wirtschaftlich sinnvoll ist — etwa wenn Materialwert der Fassung und separat vermarkteter Stein zusammen mehr ergeben als das Stück im Ganzen — und ausschliesslich mit Ihrer Zustimmung. Im Zweifel bleibt der Stein, wo er sitzt.
Häufige Fragen
Nein. Wir sehen uns den Stein auch ohne Papiere an und ordnen ihn ein. Ein Laborbericht ist keine Voraussetzung, sondern ein Hebel: Er nimmt dem Käufer die Unsicherheit ab und wirkt sich deshalb auf den erzielbaren Preis aus.
Vorhandene Unterlagen bringen Sie einfach mit — auch alte Schätzungen oder Kaufbelege helfen bei der Einordnung.
Synthesen und die gängigen Behandlungen zeigen charakteristische Merkmale — im Wachstumsbild, in den Einschlüssen, im Verhalten unter Lupe und Prüfgerät. In unserer Werkstatt stehen Prüfgeräte und Analysewerkzeuge bereit, und wir sagen Ihnen, was wir sehen.
Wo unsere Sichtung keine abschliessende Aussage erlaubt, sagen wir auch das. Dann führt der Weg über ein Prüfinstitut.
Manchmal ja, oft nicht. Sinnvoll ist es, wenn die Fassung nur noch Materialwert hat und der Stein einzeln besser platzierbar ist. Nicht sinnvoll, wenn das Schmuckstück als Ganzes gefragt ist, die Fassung Machart oder Signatur trägt oder der Eingriff den Stein gefährden würde.
Wir stellen Ihnen beide Wege gegenüber und fassen nur nach Ihrer ausdrücklichen Zustimmung aus.
Das lässt sich seriös erst nach Sichtung sagen. Fotos genügen nicht: Farbe verzerrt sich in jeder Aufnahme, Einschlüsse zeigen sich erst unter der Lupe, und bei gefassten Steinen ist ein Teil der Beurteilungsfläche verdeckt.
Wer am Telefon eine Zahl nennt, rät. Bringen Sie das Stück vorbei — die erste Einschätzung ist unverbindlich.
Ja. Melee, ausgefasste Steine und gemischte Konvolute aus Nachlässen oder Werkstattauflösungen sehen wir uns an. Solche Posten bewerten wir als Ganzes, nicht Stein für Stein — bei Kleinware steht der Aufwand einer Einzelbewertung sonst in keinem Verhältnis.
Bringen Sie den Bestand so mit, wie er ist. Sortieren ist unsere Arbeit.
Perlen, Korallen, Bernstein und vergleichbare organische Materialien beurteilen wir nach anderen Massstäben als geschliffene Steine — nach Oberfläche, Lüster, Farbe, Gleichmässigkeit und Zustand. Zuchtperlen und Naturperlen unterscheiden sich im Wert erheblich.
Bei einzelnen Materialien greifen zudem Handels- und Einfuhrbeschränkungen. Das prüfen wir vor einer Vermarktung.
Weiterführend
Lose oder gefasst, mit Papieren oder ohne: Wir sichten in Ruhe und erklären jede Einschätzung, bevor Sie entscheiden.