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Schmuck bewerten — nach Material und nach Machart

Jedes Schmuckstück trägt zwei mögliche Werte in sich: den seines Edelmetalls und den seiner Gestaltung. Wir ermitteln beide, erklären Ihnen den Unterschied und legen den höheren zugrunde — vom einzelnen Trauring bis zur vollständigen Kassette aus dem Nachlass.

Zwei Rechnungen
Materialwert und Objektwert, beide ermittelt
Steinbesatz
Diamanten und Farbsteine separat betrachtet
Zustand
Auch Defektes, Einzelteile und Bruchstücke

Warenspektrum

Vom einzelnen Ring bis zur ganzen Kassette

Wir nehmen Schmuck in jedem Zustand entgegen — getragen, gebrochen, unvollständig oder unsortiert. Sie müssen weder wissen, was es ist, noch, was es wert sein könnte.

  • Ringe — Solitäre, Bandringe, Siegelringe, Memoire- und Cocktailringe.
  • Colliers und Ketten — Panzer, Erbs-, Venezianer- und Königsketten mit oder ohne Anhänger.
  • Armbänder — Gliederarmbänder, Armreifen, Bettelarmbänder samt einzelner Anhänger.
  • Ohrschmuck — Stecker, Creolen, Clips und Hänger, auch als loses Einzelteil.
  • Broschen und Anhänger — figürlich, floral oder streng geometrisch, gefasst und ungefasst.
  • Manschettenknöpfe — Paare, Krawattennadeln, Kragenspangen, Frackknöpfe.
  • Trauringe — auch abgetragen, verbogen oder in einer Grösse, die niemand mehr trägt.
  • Einzelstücke ohne Partner — der eine Ohrring, die halbe Manschette, das lose Kettenglied.
  • Defekter Schmuck — gerissene Ketten, fehlende Steine, gelöste Fassungen, verbogene Schienen.
  • Erbschmuck — vollständige Kassetten, gemischt, ungeordnet und ungeprüft übernommen.
Kleinteile

Werfen Sie nichts weg. Verschlüsse, abgebrochene Ösen und einzelne Kettenglieder bestehen häufig aus demselben Edelmetall wie das Hauptstück — sie werden mitgewogen und mitbezahlt.

Beleuchtete Vitrine mit Ringen und Uhren im Verkaufsraum Materialwert oder Objektwert

Bewertung

Zwei Wege zum Wert — und der höhere zählt

Der Materialwert ist eine reine Rechnung: Feingehalt mal Gewicht mal Tageskurs. Dieselbe Zahl können Sie auf unserer Kursseite selbst nachrechnen. Er bildet die Untergrenze — tiefer fällt kein Stück aus Edelmetall.

Der Objektwert beschreibt das Stück als Ganzes: Handarbeit und Fassungsqualität, eine Signatur oder Manufakturmarke, die Epoche und ihre Formensprache, der Steinbesatz, das Design und der Erhaltungszustand. Er lässt sich nicht wiegen, sondern nur beurteilen.

Welcher Weg greift, entscheidet das Stück selbst. Eine gerissene Goldkette ohne Machart wird nach Material abgerechnet. Eine signierte Brosche mit sauber gefassten Steinen behandeln wir dagegen als Objekt — und suchen den Käufer, der die Arbeit bezahlt und nicht das Metall.

Wir rechnen beide Wege durch und legen den höheren zugrunde. Was wir dabei sehen, erklären wir Ihnen Stück für Stück.

Punzen lesen

Was die kleinen Zahlen an Ihrem Schmuck bedeuten

Die Punze sitzt meist dort, wo sie niemanden stört: innen an der Ringschiene, am Kettenverschluss, auf einer Fahne neben dem Karabiner oder am Ohrsteckerbügel. Eine Lupe hilft, nötig ist sie nicht — wir lesen und prüfen ohnehin nach.

Gold

Übliche Feingehalte sind 333, 375, 585, 750, 916 und 999 — also acht, neun, vierzehn, achtzehn, zweiundzwanzig und vierundzwanzig Karat. Die Zahl gibt Tausendteile reines Gold an: 750 bedeutet drei Viertel Feingold. Ob ein Stück gelb, rot oder weiss erscheint, sagt nichts über den Feingehalt, sondern nur über die Zusätze der Legierung.

Silber und Platin

Bei Silber begegnen uns vor allem 925 für Sterlingsilber und 800 für ältere europäische Arbeiten. Platinschmuck trägt üblicherweise 950 und fällt beim Anheben auf: Ein Platinring wiegt spürbar mehr als ein optisch identischer Weissgoldring.

Meister- und Länderpunzen

Neben der Zahl finden sich häufig weitere Zeichen — eine Meister- oder Herstellerpunze, ein Länderzeichen oder ein Kontrollstempel. Diese Marken sind für den Objektwert oft aufschlussreicher als der Feingehalt selbst, weil sie Werkstatt, Herkunftsraum und Entstehungszeit eingrenzen.

Fehlt jede Punze, liegt trotzdem oft Edelmetall vor — sie kann abgetragen oder beim Grössenändern entfernt worden sein. Dann bestimmen wir den Feingehalt mit Prüfstein, Prüfsäure oder Analysegerät.

Gold — Wert je Gramm nach Feingehalt

Goldlegierungen — Feinmetallwert zum aktuellen Kurs
LegierungFeingehalt1 g10 g100 g
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Lose Diamanten und Farbsteine auf Steinpapier neben der Pinzette Separat betrachtet

Steinbesatz

Steine zählen — aber nicht als Gewicht

Für den Materialwert zählt ausschliesslich das Edelmetall. Steine, Perlen und Fremdteile werden rechnerisch abgezogen. Wertlos sind sie deshalb nicht — sie werden nur an anderer Stelle bewertet.

Diamanten beurteilen wir nach Schliff, Farbe, Reinheit und Gewicht, Farbsteine zusätzlich nach Art, Herkunftseindruck und Behandlung. Beides geschieht bevorzugt am gefassten Stück: Eine intakte, saubere Fassung ist selbst ein Wertfaktor und wird nicht leichtfertig geöffnet.

  • Gefasst bleibt gefasst — wir brechen nichts aus, um schneller wiegen zu können.
  • Lose Steine willkommen — auch der Stein, der schon vor Jahren herausgefallen ist.
  • Papiere mitbringen — Zertifikate, Expertisen und alte Rechnungen erleichtern die Einordnung.
  • Perlen und Imitate — wenn ein Besatz nicht das ist, wofür er gehalten wurde, sagen wir es offen.
Lupe, Pinzette mit Diamant, Prüfstein und Karatwaage auf dem Bewertungstisch Werkstatt & Prüfung

Epochen

Wenn die Machart das Metall überholt

Schmuck aus dem Jugendstil, dem Art déco und der Mid-Century-Moderne kann deutlich über dem Materialwert liegen. Der Grund ist selten das Gold: Es sind die Handarbeit, die Formensprache ihrer Zeit und die Tatsache, dass solche Stücke nicht nachproduziert werden.

Deshalb prüfen wir vor jeder Materialrechnung, ob ein Stück als Objekt gefragt ist. Ein einmal eingeschmolzener Ring lässt sich nicht zurückholen — diese Entscheidung fällt bei uns bewusst und nie nebenbei.

  • Jugendstil — fliessende Linien, emaillierte Flächen, florale und figürliche Motive.
  • Art déco — strenge Geometrie, Kontraste, Platin- und Weissgoldfassungen.
  • Mid-Century — plastische Goldarbeiten, Texturen, kräftige Silhouetten.
  • Signiertes — Werkstattmarken und Meisterpunzen, die eine Zuordnung erlauben.

Vor Ihrem Besuch

Drei Dinge, die Sie besser nicht tun

Gut gemeinte Vorbereitung kostet regelmässig Wert. Bringen Sie Ihren Schmuck so, wie er ist — die Beurteilung wird dadurch besser, nicht schlechter.

01

Nicht reinigen

Politur und Ultraschall können Oberflächen, Patina, Emaille und weiche Steine beschädigen. Altersspuren lesen wir, Schleifspuren nicht.

02

Nichts ausbrechen lassen

Steine aus der Fassung zu lösen zerstört die Arbeit, die den Objektwert trägt. Wir bewerten das Stück lieber im Ganzen.

03

Nichts aussortieren

Bruchstücke, Einzelteile und vermeintlicher Modeschmuck kommen mit. Was nicht dazugehört, sortieren wir gemeinsam auf dem Tisch aus.

Ablauf

Annahme, Prüfung, Bewertung, Entscheidung: Wir wiegen auf Präzisionswaagen, prüfen den Feingehalt und zeigen Ihnen jede Position einzeln. Erst danach entscheiden Sie, ob Sie direkt verkaufen, in Kommission geben oder für eine Auktion einliefern möchten — die Auktionen sind im Aufbau, Einlieferungen bereits heute möglich.

Häufige Fragen

Schmuck, Steine und Erbstücke

Ja. Eine gerissene Kette, ein verbogener Ring oder eine Brosche ohne Nadel verliert an Tragbarkeit, nicht an Edelmetall. Für den Materialwert spielt der Zustand keine Rolle — gewogen wird, was da ist.

Anders liegt es beim Objektwert: Dort zählt der Zustand sehr wohl. Bei einem gefragten Stück prüfen wir deshalb, ob sich eine Restaurierung lohnt, bevor wir es als Bruchmaterial behandeln.

Vergoldete und doublierte Stücke tragen nur eine dünne Auflage auf einem unedlen Kern. Der Materialwert ist entsprechend gering, und häufig fehlt die Feingehaltspunze ganz oder es steht ein Zusatz wie „plaqué" darauf.

Bringen Sie solche Stücke trotzdem mit: Wir klären zuverlässig, ob wirklich nur eine Auflage vorliegt — und ein vergoldetes Designerstück kann als Objekt gefragt sein, auch wenn das Metall wenig hergibt.

Nicht beim Gewicht — für die Materialrechnung wird der Steinanteil abgezogen. Sehr wohl aber bei der Gesamtbewertung: Diamanten und Farbsteine werden separat beurteilt und, wenn sie den Ausschlag geben, als eigener Posten ausgewiesen.

Ja. Einzelstücke ohne Partner sind ein häufiger Posten. Als tragbarer Schmuck sind sie schwer vermittelbar, als Edelmetall behalten sie ihren vollen Materialwert — und ein gut gefasster Stein findet oft den Weg in eine neue Arbeit.

Ein erster Anhaltspunkt ist die Punze: dreistellige Zahlen wie 585, 750 oder 925 sprechen für Edelmetall. Verlässlich ist sie allein jedoch nicht, denn Punzen können abgetragen, nachträglich gesetzt oder schlicht falsch sein.

Wir prüfen deshalb nach — mit Prüfstein und Prüfsäure, mit Magnet, Waage und Analysegerät. Das dauert wenige Minuten und geschieht vor Ihren Augen im Haus.

Das lässt sich seriös erst am Tisch sagen. Eine geerbte Kassette enthält typischerweise dreierlei: Stücke mit reinem Materialwert, einzelne Arbeiten mit deutlich höherem Objektwert und Teile ohne Edelmetallgehalt. Wir sortieren das gemeinsam und weisen jede Gruppe getrennt aus.

Bei umfangreichen Beständen kommen wir auf Wunsch zu Ihnen. Für Erben und Nachlassverwalter dokumentieren wir die Sichtung so, dass sie unter mehreren Beteiligten nachvollziehbar bleibt.

Legen Sie es auf den Tisch — wir sagen Ihnen, was es ist.

Ein Ring, eine Schachtel oder eine ganze Kassette: Wir sichten, wiegen und erklären. Unverbindlich, in Ruhe und ohne dass Sie sich vorher auskennen müssen.