Silber, Besteck, Zinn und Tafelgerät
Die erste Frage bei Silber ist immer dieselbe: massiv oder versilbert? Wir lesen die Punzen, wiegen auf Präzisionswaagen und sagen Ihnen, was Materialwert ist und was Sammlerwert — auch bei Bestecken, in denen Teile fehlen.
- Massivsilber
- Punzen 800, 835, 925 oder 999
- Versilbert
- 90, 100, 120 · Alpacca, EPNS, Neusilber
- Wägung
- Auf Präzisionswaagen im Haus, in Ihrem Beisein
Erste Prüfung
Der entscheidende Unterschied
Massiv oder versilbert
Ein Besteckkasten aus dem Schrank der Grosseltern kann massives Silber enthalten — oder eine hauchdünne Silberauflage auf einem unedlen Grundmetall. Von blossem Auge sieht beides identisch aus, beides läuft dunkel an, beides fühlt sich schwer an. Der Unterschied entscheidet über den Materialwert, und er steht in den allermeisten Fällen eingestempelt auf dem Stück.
Massivsilber trägt einen dreistelligen Feingehalt: 800, 835, 925 oder 999. Die Zahl gibt an, wie viele Teile von tausend reines Silber sind. 925 ist Sterlingsilber, 800 und 835 sind bei kontinentaleuropäischem Tafelsilber verbreitet, 999 begegnet uns bei Barren und Medaillen.
Versilberte Ware trägt andere Zahlen — 90, 100, 120 oder 150 — und diese Zahlen sind kein Feingehalt. Sie bezeichnen die Auflage: die Menge Feinsilber, die galvanisch auf einen Satz Löffel und Gabeln niedergeschlagen wurde. Darunter sitzt eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, die je nach Hersteller als Alpacca, Neusilber, EPNS oder hartversilbert gekennzeichnet ist.
Die 90 auf Ihrem Löffel ist kein Feingehalt. Sie ist eine Auflagenstärke — und damit eine völlig andere Zahl.
Wertlos ist versilbertes Besteck deswegen nicht. Der Materialwert bleibt gering, weil sich die dünne Auflage kaum zurückgewinnen lässt. Bei gesuchten Manufakturen und gut erhaltenen Modellen liegt der Gebrauchs- und Sammlerwert jedoch deutlich darüber — solche Sätze bewerten wir als Objekt, nicht als Metall.
Punzen lesen
Wo die Zeichen versteckt sind
Punzen sind klein, oft abgegriffen und selten dort, wo man zuerst schaut. Diese Stellen prüfen wir zuerst — mit Lupe und schrägem Licht.
- Besteck — auf der Rückseite des Stiels, meist nahe dem Übergang zur Laffe oder ganz am Stielende.
- Kannen und Krüge — auf dem Boden, gelegentlich am Innenrand des Deckels oder unter dem Henkelansatz.
- Tabletts und Platten — auf der Unterseite, häufig nahe der Randkehle.
- Leuchter — am Rand des Fusses oder unter dem Fussteller, oft zusammen mit einer Modellnummer.
- Deutsches Silber — Halbmond und Krone neben der Feingehaltszahl, seit dem späten 19. Jahrhundert amtlich vorgeschrieben.
- Schweizer Silber — amtliche Kontrollpunze mit Bärenkopf, dazu die Verantwortlichkeitsmarke des Herstellers.
- Französisches Silber — der Minervakopf für die gesetzlichen Feingehalte, dazu die Rautenpunze des Meisters.
Eine fehlende Punze bedeutet nicht, dass kein Silber vorliegt — ältere, umgearbeitete oder überpolierte Stücke haben ihre Marke oft verloren. Dann prüfen wir den Feingehalt mit Prüfstein und Prüfsäure oder im Analysegerät, in der Werkstatt und in Ihrem Beisein.
Werttabelle
Silberwert je Gramm nach Feingehalt
Berechnet aus dem aktuellen Tageskurs für Feinsilber. Die Spalten zeigen den reinen Metallwert für 1 g, 10 g und 100 g — vor Abzug von Füllungen, Fremdteilen und Scheidekosten.
| Legierung | Feingehalt | 1 g | 10 g | 100 g |
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Die Tabelle gilt für massives Silber und ist kein Kaufangebot. Für versilberte Ware lässt sich daraus nichts ableiten — dort entscheidet die Marke, das Modell und die Vollständigkeit über den Preis, nicht das Gewicht.
Tafelgerät
Warenspektrum
Was wir annehmen
Wir nehmen einzelne Löffel ebenso wie den ganzen Schrankinhalt. Unvollständige Sätze sind der Normalfall und kein Hindernis — bei Massivsilber zählt das Gewicht, bei versilberter Ware ergänzen wir Modelle über unser Netzwerk.
- Bestecke — komplette Kästen, Teilsätze, Einzelteile, Vorlegebesteck, Kinderbestecke.
- Kernstücke — Kaffee- und Teekannen, Milchgiesser, Zuckerdosen, Zuckerzangen.
- Tafelgerät — Tabletts, Platten, Schalen, Körbchen, Menagen, Serviettenringe.
- Leuchter und Zierobjekte — Kerzenleuchter, Girandolen, Vasen, Dosen, Rahmen.
- Zinn — Krüge, Humpen, Teller, Kannen, Zunft- und Schützenzinn.
- Nachlässe — vollständige Haushalte und Sammlungen, vor Ort gesichtet.
Gewicht und Wägung
Warum Messergriffe weniger zählen
Massivsilber wird nach Gewicht abgerechnet. Bei Besteck gibt es dabei eine Besonderheit, die wir jedem Kunden vorab erklären, weil sie sonst wie ein Abzug ohne Grund wirkt: Messergriffe und die Stiele vieler Vorlegeteile sind hohl gearbeitet und ausgefüllt — mit Kitt, Harz, Gips oder Blei. Diese Füllung sorgt dafür, dass das Messer in der Hand ausgewogen liegt. Silber ist sie nicht.
Dasselbe gilt für Leuchterfüsse und manche Vasen: aussen ein dünner Silbermantel, innen eine Vergussmasse. Vergütet wird allein das Silber — gefüllte Teile erfassen wir deshalb getrennt und ziehen die Füllung mit einem Ansatz ab, den wir auf der Abrechnung ausweisen.
- Massivteile — Löffel, Gabeln, Platten und Kannen werden vollständig gewogen.
- Hohlgriffe — Messer und Vorlegeteile getrennt erfasst, Füllung abgezogen.
- Gefüllte Füsse — Leuchter und Vasen nach Silbermantel bewertet.
- Fremdteile — Stahlklingen, Holz- und Beingriffe, Glaseinsätze zählen nicht mit.
Bitte nicht polieren
Der gut gemeinte Griff zur Silberpolitur richtet mehr Schaden an als jede Anlaufschicht. Silberputzmittel arbeitet abrasiv: Es trägt bei jeder Anwendung eine hauchdünne Lage Metall ab. Bei versilberter Ware reibt das die Auflage an Kanten, Zinken und Laffenrändern über die Jahre durch — darunter kommt das gelbliche Grundmetall zum Vorschein, und das ist nicht reparabel.
Bei antiken Stücken kommt hinzu: Die dunkle Patina in Gravuren und Ziselierungen gibt dem Dekor Tiefe. Wird sie blank herausgeputzt, wirkt die Arbeit flach, und Sammler bemerken das sofort. Anlaufspuren stören uns nicht — wir lesen die Punze auch unter einer dunklen Schicht.
Bringen Sie Ihr Silber genau so, wie es im Schrank steht — ungeputzt, unsortiert, gern samt Etui und Kasten. Reinigung ist unsere Aufgabe, nicht Ihre, und sie geschieht erst nach der Bewertung.
Häufige Fragen
Punzen, Gewicht und Pflege
Drehen Sie ein Teil um und suchen Sie auf der Stielrückseite nach einer kleinen eingestempelten Zahl. Steht dort 800, 835, 925 oder 999, halten Sie Massivsilber in der Hand. Steht dort 90, 100, 120 oder ein Name wie Alpacca, EPNS oder Neusilber, ist das Stück versilbert.
Finden Sie gar nichts, prüfen wir es für Sie. Bringen Sie im Zweifel einfach den ganzen Kasten mit.
Die 90 ist eine Auflagenzahl, kein Feingehalt. Sie steht für die Menge Feinsilber, die galvanisch auf einen Satz Esslöffel und Gabeln aufgebracht wurde — 100 und 120 bezeichnen entsprechend stärkere Auflagen. Der Kern besteht aus einer Kupfer-Nickel-Zink-Legierung.
Für den Materialwert bedeutet das wenig. Für den Verkaufswert kann es viel bedeuten, wenn Manufaktur, Modell und Erhaltung stimmen.
Ja. Bei Massivsilber spielt Vollständigkeit für den Materialwert ohnehin keine Rolle — gewogen wird, was da ist, auch der einzelne Löffel aus der Schublade.
Bei versilberten Modellen suchen Sammler oft genau die fehlenden Teile. Ein unvollständiger Satz ist dann kein Restposten, sondern Ergänzungsware. Werfen Sie deshalb nichts weg und sortieren Sie nichts vorher aus.
Nein. Bitte polieren Sie nichts. Silberputzmittel trägt Material ab, reibt bei versilberter Ware die Auflage an den Kanten durch und nimmt antiken Stücken die Patina, die zum Dekor gehört. Beides senkt den Wert, statt ihn zu heben.
Angelaufenes Silber ist für uns völlig unproblematisch. Wir erkennen Punzen, Zustand und Qualität auch unter einer dunklen Schicht.
Zinn ist kein Edelmetall und wird nicht an der Edelmetallbörse gehandelt — eine Kurstabelle wie beim Silber gibt es dafür nicht. Der Wert entsteht aus Alter, Marke, Form und Zustand: Feinzinn mit Engels- oder Rosenmarke, Zunft- und Schützenzinn oder saubere historische Krüge und Teller finden ihre Käufer im Sammlermarkt.
Serienware aus jüngerer Zeit erzielt dagegen wenig. Wir sagen Ihnen offen, in welche Kategorie Ihre Stücke fallen.
Getrennt vom übrigen Besteck. Hohlgriffteile kommen auf eine eigene Position, weil ihr Bruttogewicht neben dem Silbermantel auch Füllmasse und die Stahlklinge enthält. Von diesem Gewicht ziehen wir den Anteil ab, der kein Silber ist, und rechnen nur den Rest zum Silberwert.
Sie stehen dabei an der Waage, und jede Position wird einzeln ausgewiesen, bevor Sie entscheiden.
Weiterführend
Passt dazu
Ungeputzt, unsortiert, unvollständig — bringen Sie es trotzdem.
Wir lesen die Punzen, wiegen in Ihrem Beisein und erklären jede Zahl auf der Abrechnung. Für grössere Bestände kommen wir auch zu Ihnen.
